KI-Projekt analysiert Desinformation erstmals sprachübergreifend auf Deutsch, Russisch und Türkisch
Pressemitteilung
Desinformation verbreitet sich schnell und oft gezielt in bestimmten Sprachräumen. Während Gegenmaßnahmen bislang vor allem deutschsprachige Inhalte in den Blick nehmen, bleiben andere große Sprachgemeinschaften in Deutschland unterrepräsentiert. Ein Team aus Forschenden und Medienschaffenden will das ändern. Es entwickelt erstmals eine KI-gestützte Infrastruktur, die manipulative Inhalte auf Deutsch, Russisch und Türkisch systematisch analysiert und Faktenchecks sowie Gegenmaßnahmen unterstützt.
Deutschland ist eine vielfältige, mehrsprachige Gesellschaft. Viele Menschen informieren sich auf Russisch oder Türkisch über soziale Medien wie Telegram, YouTube oder TikTok. Genau dort setzen gezielte Desinformationskampagnen an. Bestehende KI-Systeme übersehen Desinformation oft dort, wo sie kulturell codiert ist. Das Projekt kuKI wird diese Lücke schließen, indem Sprache, Kontext und gesellschaftliche Perspektiven zusammengedacht werden. Die Forschenden und Medienschaffenden setzen in diesem Projekt bewusst nicht auf die Bekämpfung spektakulärer Deepfakes, sondern auf das Erkennen subtiler, sprach- und kulturspezifischer Narrative: also jener Formen der Desinformation, die gesellschaftliche Spannungen verstärken können, ohne auf den ersten Blick als Falschinformation erkennbar zu sein. So werden erstmals Desinformationsdynamiken sprachübergreifend analysiert und gemeinsam mit den betroffenen Communitys bearbeitet.
„Unsere bisherigen Analysen zeigen, wie stark Desinformationsnetzwerke plattform- und sprachübergreifend agieren. Mit kuKI können wir diese Verflechtungen erstmals systematisch sichtbar machen – und zugleich narrative Muster über Sprachräume hinweg analysieren. So verstehen wir nicht nur, wer Desinformation verbreitet, sondern auch, wo und wie sie wirkt und sich an unterschiedliche kulturelle Kontexte anpasst“, so Josef Holnburger, Geschäftsführer von CeMAS.
Durch die interdisziplinäre Expertise der Partner entsteht im Projekt ein sprachübergreifendes Social-Media-Monitoring auf Telegram, YouTube und TikTok, eine KI-gestützte Analyse-Pipeline zur Erkennung von Narrativen sowie ein sogenannter Desinformations-Wissensgraph, der Zusammenhänge zwischen Themen, Akteuren und Kampagnen sichtbar macht.
Die im Projekt entwickelten Analysen fließen in öffentliche Berichte, Warnhinweise und Bildungsangebote ein. Langfristig soll die Infrastruktur auch auf weitere Sprachen übertragbar sein. In einer Zeit zunehmender Polarisierung schafft das Projekt neue Möglichkeiten, Desinformation frühzeitig zu erkennen und demokratische Debattenräume gezielt zu stärken.
Über das Projekt
Das Projekt “Kulturalisierungssensible KI-Assistenz für eine desinformationsresiliente multilinguale Gesellschaft” (kurz: kuKI) fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) von März 2026 bis Juni 2028 mit einer Summe von 3,18 Mio. Euro. Das Projektkonsortium besteht aus dem Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), dem Forschungszentrum Informatik (FZI), dem gemeinwohlorientieren Medienhaus Correctiv sowie der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Trier. CeMAS wird im Rahmen des Projekts neben der Expertise zur Mustererkennung von Desinformation vor allem sein umfangreiches Monitoring deutschsprachiger Telegram- und YouTube-Inhalte zur Verfügung stellen und um die Videoplattform TikTok sowie die Sprachen Russisch und Türkisch erweitern.
Für Rückfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
Pressekontakt: Maheba Goedeke Tort
E-Mail: presse@cemas.io
Website: www.cemas.io
Über CeMAS
CeMAS, das gemeinnützige Center für Monitoring, Analyse & Strategie, bündelt jahrelange interdisziplinäre Expertise zu den Themen Verschwörungsideologien, Desinformation, Antisemitismus und Rechtsextremismus. CeMAS adressiert aktuelle Entwicklungen innerhalb der Themenfelder online durch systematisches Monitoring zentraler digitaler Plattformen und moderner Studiendesigns, um so innovative Analysen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Darüber hinaus berät CeMAS Entscheidungsträger:innen aus Zivilgesellschaft, Medien und Politik.
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