Neues Research Paper: Nach dem Ende von USAID

Desinformation und Verschwörungsnarrative über Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland

Pressemitteilung

Die Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID vor einem Jahr führte weltweit zu Diskussionen über die Notwendigkeit von Entwicklungszusammenarbeit. In deutschsprachigen verschwörungsideologischen und rechtsextremen Milieus kursierten in diesem Zusammenhang massiv Falschinformationen, Verschwörungsmythen und diskreditierende Narrative über Entwicklungszusammenarbeit. Auch pro-russische Akteur:innen mischten mit. Zu diesen Ergebnissen kommt das neue CeMAS-Research Paper Nach dem Ende von USAID: Desinformation und Verschwörungsnarrative über Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland.

Ein Großteil der in der Analyse untersuchten Beiträge auf Telegram stellt USAID als eine Gefahr sowohl für die Sicherheit der USA als auch der Zielländer dar. Zudem gibt es Falschbehauptungen, in denen USAID unter anderem als Zentrum des „Deep State“ und einer globalen Verschwörung präsentiert wird oder als eine korrupte Organisation und Geldgeber für Terrorismus oder Massenmigration. Deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird vor allem als korrupt und verschwenderisch geframt, auch mit pauschalen unbelegten Aussagen. Dafür werden auch einzelne Hilfsprojekte hervorgehoben und als absurd und ideologisch motiviert dargestellt. In den Beiträgen wird der Bundesregierung vorgeworfen, die Interessen der Bürger:innen zu vernachlässigen. So wird das Bild einer Elite gezeichnet, die der eigenen Bevölkerung schade und ausländische Interessen bevorzuge. Insbesondere zwischen Januar und März 2025, dem Zeitpunkt als die Auflösung von USAID begann, kam es zu einer deutlichen Zunahme von Desinformation und Verschwörungsnarrativen.

Anhaltspunkte für gezielte Verbreitung von Desinformation und Verschwörungsnarrativen

Die Nachrichten werden auf Telegram vor allem im verschwörungsideologischen Milieu verbreitet, finden aber auch in rechtsextremen und pro-russischen Gruppen und Kanälen Resonanz. Es gibt begründete Anhaltspunkte, dass ein Teil der Falschinformationen und Narrative strategisch verbreitet wird. Das zeigt eine nähere Betrachtung der beiden aktivsten Accounts, die im Untersuchungszeitraum in den analysierten Telegram-Gruppen die meisten Nachrichten zum Thema Entwicklungszusammenarbeit teilten. So leiteten die beiden Accounts zahlreiche Nachrichten in Telegram-Gruppen weiter, aber verfassten kaum eigene. Dieses Muster ist von Bot-Accounts bekannt, die als menschliche User inszeniert werden, um Inhalte glaubwürdiger in Gruppendiskussionen zu platzieren. Die weitergeleiteten Nachrichten kommen fast ausschließlich aus denselben Kanälen – überwiegend aus dem verschwörungsideologischen Milieu sowie aus pro-russischen Propagandakanälen. Ein Teil dieser Kanäle ist nicht öffentlich. Das minimiert das Risiko, dass die Kanäle gemeldet und gesperrt werden. Anzunehmen ist, dass die nicht-öffentlichen Kanäle Teil einer Strategie sind und als Sammelbecken für Inhalte dienen, die von zugelassenen Subscriber:innen in andere Kanäle und Gruppen weiterverbreitet werden sollen.

Desinformation über Entwicklungszusammenarbeit als Taktik pro-russischer Akteur:innen

Neben Akteur:innen aus verschwörungsideologischen und rechtsextremen Milieus in Deutschland teilen auch pro-russische Akteur:innen Desinformation über Entwicklungszusammenarbeit. Nach der Auflösung der USAID ging zum Beispiel ein Beitrag mit der Falschbehauptung viral, dass Deutschland den Bau eines Stadions in Brasilien mit 1,4 Milliarden Euro finanziere. Die Behauptung stellte die brasilianische neo-faschistische Organisation Nova Resistência auf, die regelmäßig pro-russische Desinformationsnarrative verbreitet. Im deutschsprachigen Raum erreichten Posts mit der Behauptung 3,3 Millionen Views bis Ende Februar 2026.

Dieses Vorgehen pro-russischer Akteur:innen hat eine lange Vorgeschichte. Russische offizielle Stellen, Staatsmedien und weitere Desinformationsakteur:innen diskreditieren seit Jahren die westliche Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere die Arbeit der USAID. Zuletzt geriet auch Deutschland vermehrt in den Fokus. Es geht ihnen dabei nicht um das Thema Entwicklungszusammenarbeit, sondern darum, das Vertrauen in staatliche Institutionen zu erschüttern und die Länder langfristig zu destabilisieren.

Die Komplexität der Entwicklungszusammenarbeit ermöglicht, verkürzte und aus dem Kontext gerissene, spalterische Behauptungen zu verbreiten. „In Demokratien sollten Debatten über die Ausgaben und die Effektivität staatlich finanzierter Institutionen offen und transparent geführt werden. Während konstruktive und faktenbasierte Kritik wichtig ist, birgt die koordinierte Verbreitung von Desinformation das Risiko, den öffentlichen Diskurs zu manipulieren und die Grundlage einer informierten Meinungsbildung zu untergraben“, warnt Julia Smirnova, Senior Researcherin bei CeMAS und Co-Autorin der Analyse.

Hintergrundinformationen zur Analyse

Das Research Paper basiert auf der Untersuchung von rund 36.000 Beiträgen aus knapp 1.500 Kanälen und Gruppen auf Telegram. Die untersuchten Kanäle und Gruppen sind den deutschsprachigen verschwörungsideologischen, rechtsextremen und pro-russischen Milieus zuzuordnen. Der Untersuchungszeitraum ging von 01. Oktober 2024 bis 20. November 2025.

Das Research Paper ist als PDF auf der Website von CeMAS auf Deutsch verfügbar. Dort finden Sie auch mehr Informationen zu den Beispielen für pro-russische Desinformation zu Entwicklungszusammenarbeit.

Für Fragen und Interviews steht Julia Smirnova gerne zur Verfügung.

Pressekontakt: Maheba Goedeke Tort

E-Mail: presse@cemas.io

Website: www.cemas.io

Über CeMAS

CeMAS, das gemeinnützige Center für Monitoring, Analyse & Strategie, bündelt jahrelange interdisziplinäre Expertise zu den Themen Verschwörungsideologien, Desinformation, Antisemitismus und Rechtsextremismus. CeMAS adressiert aktuelle Entwicklungen innerhalb der Themenfelder online durch systematisches Monitoring zentraler digitaler Plattformen und moderner Studiendesigns, um so innovative Analysen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Darüber hinaus berät CeMAS Entscheidungsträger:innen aus Zivilgesellschaft, Medien und Politik.

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