Desinformation stellt eine zunehmende Herausforderung für demokratische Gesellschaften dar. Sie verbreitet sich plattform- und sprachübergreifend. In Deutschland rezipieren Menschen aus russisch- und türkischsprachigen Communities neben deutschsprachigen oft auch Inhalte auf Russisch oder Türkisch. Ihre Vielsprachigkeit eröffnet Chancen für die Meinungsvielfalt, wird andererseits aber von Akteuren bewusst genutzt, die in diesen Informationsräumen gezielt manipulative Narrative verbreiten, um gesellschaftliche Polarisierung voranzutreiben. Bisherige KI-Systeme zur automatisierten Erkennung von Desinformation stoßen hier an Grenzen, da sie kulturelle und sprachliche Nuancen bislang nur unzureichend erfassen.
Durch die interdisziplinäre Expertise der Partner entsteht im Projekt ein sprachübergreifendes Social-Media-Monitoring auf Telegram, YouTube und TikTok, eine KI-gestützte Analyse-Pipeline zur Erkennung von Narrativen sowie ein sogenannter Desinformations-Wissensgraph, der Zusammenhänge zwischen Themen, Akteuren und Kampagnen sichtbar macht. Die im Projekt entwickelten Analysen fließen in öffentliche Berichte, Warnhinweise und Bildungsangebote ein. Langfristig soll die Infrastruktur auch auf weitere Sprachen übertragbar sein. In einer Zeit zunehmender Polarisierung schafft das Projekt neue Möglichkeiten, Desinformation frühzeitig zu erkennen und demokratische Debattenräume gezielt zu stärken.


