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Erscheinungsdatum: 24. Februar 2023
Format: Research Paper

Im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine kam es auch in Deutschland zu einer stärkeren Fokussierung auf die Rolle von Desinformation. Obwohl das Wissen um die Funktionsweisen und Ziele von Desinformation von großer Bedeutung ist, um sinnvolle Interventionsmöglichkeiten zu entwickeln, wurde das Thema in Deutschland lange vernachlässigt. Das Research Paper „Ein Jahr russischer Angriffskrieg: Die Rolle von Desinformation in Deutschland“ wirft einen detaillierten Blick auf die Entwicklungen im Bereich Desinformation und die Herausforderungen bei ihrer Erfassung seit Kriegsbeginn und identifiziert wiederkehrende Muster, die hilfreich sind, um daraus politische und gesellschaftliche Maßnahmen abzuleiten.

Auffällig ist, dass sich die Desinformations-Landschaft seit Beginn des russischen Angriffskriegs fragmentiert hat. Nach der Abschaltung des russischen Propagandamediums RT DE erreichten andere Akteur:innen große Reichweiten bei der Verbreitung pro-russischer Desinformation. Dazu gehören russische Botschaften sowie sogenannte „Alternativmedien“ und pro-russische Influencer:innen. Desinformationskampagnen richten sich dabei auch gezielt gegen ukrainische Geflüchtete und versuchen die Solidarität mit der Ukraine zu untergraben. Die falschen Behauptungen verbleiben dabei nicht im digitalen Raum, sondern werden auch in die analoge Welt übertragen und zur rechtsextremen Agitation genutzt. Auch im verschwörungsideologischen Milieu finden sich vorwiegend pro-russische Haltungen, die den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verharmlosen und legitimieren.

Insgesamt zeigt sich, dass Desinformation eine langfristige Bedrohung für liberale Demokratien darstellt. Nicht erst seit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine wird Desinformation gezielt als Propagandamittel genutzt, um westliche Demokratien zu destabilisieren und die Solidarität mit der Ukraine zu untergraben. Es ist daher eine tiefergreifende gesellschaftspolitische Debatte zu der Frage, wie der zunehmenden Flut an Desinformationskampagnen begegnet werden kann, erforderlich. Während Krisen akute Stressoren darstellen, die die Resilienz von Gesellschaften und Individuen herausfordern und empfänglicher machen für Stimmungsmache und Beeinflussungsversuche, muss Desinformation als chronischer Stressfaktor verstanden werden, der liberale Demokratien im Mark erschüttern soll.

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