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Neue CeMAS-Untersuchung: Landtagswahlen zunehmend im Visier russischer Desinformation

29.10.2026

Pressemitteilung 

Russische Desinformationskampagnen haben im Herbst 2026 erstmals in großem Umfang Landtags- und Kommunalwahlen in Deutschland ins Visier genommen. Zu diesem Ergebnis kommt ein heute veröffentlichtes Research Paper des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS). Die Analyse dokumentiert und untersucht die Aktivitäten der russischen Kampagnen und Akteure „Operation Overload (Matryoshka)“, „Doppelgänger“, „Storm-1516“ und „Foundation to Battle Injustice“ im Umfeld mehrerer Wahlen. 

Betroffen waren die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Kommunalwahlen in Niedersachsen im Herbst 2026. Nach Erkenntnissen von CeMAS zielten die Kampagnen darauf ab, die Meinungsbildung vor den Wahlen zu beeinflussen und das Vertrauen in die Integrität der Wahlen zu untergraben. 

Verbreitet wurden insbesondere auf Social-Media-Plattformen wie X gefälschte Videos mit Logos von Medienorganisationen, manipulierte Titelseiten von Tageszeitungen und Magazinen, Audio-Deepfakes von Prominenten sowie Links zu gefälschten Nachrichtenseiten. Inhaltlich richteten sich die Kampagnen vor allem gegen demokratische Parteien und Kandidat:innen. Ihnen wurden unter anderem fälschlicherweise schwere Straftaten wie Kindesmissbrauch vorgeworfen. Darüber hinaus kursierten polarisierende Inhalte, die gesellschaftliche Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschland verschärfen sollten. Rund um den Wahltag wurden zudem unbelegte Vorwürfe von Wahlbetrug verbreitet. 

Im Fokus der Kampagnen stand insbesondere die CDU, aber auch SPD, Grüne und Linke wurden gezielt diskreditiert. Über die AfD und das BSW wurden hingegen keine diskreditierenden Inhalte verbreitet; die AfD wurde teils sogar positiv dargestellt.  

Neue Qualität der Einflussnahme auf Landesebene 

Russische Einflussversuche durch Desinformationskampagnen waren in diesem Umfang bislang vor allem von Bundestags- und Europawahlen bekannt. Dass nun auch Landtagswahlen und sogar Kommunalwahlen in dieser Intensität zum Ziel werden, markiert eine neue und besorgniserregende Entwicklung. 

„Die Beeinflussungsversuche müssen im Kontext einer langfristigen russischen Strategie gesehen werden, demokratische Institutionen in Deutschland zu destabilisieren und prorussische sowie antidemokratische politische Kräfte zu stärken“, sagt Julia Smirnova, Senior Researcherin bei CeMAS und Autorin des Papers. „Offenbar sieht Russland das Potenzial, durch Destabilisierung auf Landesebene auch Krisen auf Bundesebene zu befördern.“ 

Deutschland muss sich auf das Wahljahr 2027 vorbereiten 

Mit Blick auf das Wahljahr 2027 warnt CeMAS vor einer weiteren Zunahme ausländischer Einflussversuche. Im kommenden Jahr stehen fünf Wahlen auf Landesebene an: in Schleswig-Holstein, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen. 

„Bund und Länder sollten sich langfristig auf verstärkte Versuche ausländischer Wahlbeeinflussung vorbereiten“, so Smirnova. „Wichtig ist: Solche Einflussversuche sind nicht automatisch wirksam, und wir sind Desinformation nicht schutzlos ausgeliefert. Dafür müssen jedoch schon jetzt umfassende Schutzmaßnahmen angestoßen werden.“ 

CeMAS empfiehlt unter anderem, Kapazitäten und Netzwerke für Monitoring und Eindämmung der Desinformation auch auf Landesebene auszubauen und Parteien, Medien sowie die Zivilgesellschaft gezielt auf den Umgang mit ausländischer Informationsmanipulation vorzubereiten. Desinformationsakteure sollten konsequenter sanktioniert, ihre Infrastruktur – etwa gefälschte Websites – gestört und strafrechtlich relevante Fälle entschlossen verfolgt werden. Zudem müssten Plattformen stärker in die Verantwortung genommen und der Digital Services Act konsequent durchgesetzt werden. Darüber hinaus ist es notwendig, die gesellschaftliche Resilienz zu stärken, über Desinformation aufzuklären und insbesondere vulnerable Zielgruppen gezielt zu unterstützen.

Das Research Paper ist als PDF auf der Website von CeMAS auf Deutsch verfügbar.

Für Fragen und Interviews steht Julia Smirnova gerne zur Verfügung.

Pressekontakt: Maheba Goedeke Tort
E-Mail: presse@cemas.io
Website: www.cemas.io

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